Von sichtbaren Festungen und unsichtbaren Spiegeln
Lange Zeit dachte ich, Mauern müssten immer aus Stein sein. So wie bei Jamie, der Distanz und Schweigen nutzt, um niemanden zu nah an sich heranzulassen. Aber während der Arbeit an SoCal Love habe ich verstanden, dass es noch eine andere Art von Schutzwall gibt.
Zwei Wege, sich zu verstecken
Es gibt die Mauer, die sagt: "Bleib weg". Und es gibt die Mauer, die sagt: "Ich bin genau so, wie du mich willst."
Jamie ist ein Meister der Distanz. Für ihn ist Schweigen kein Mangel an Worten, sondern eine Festung. Er hat gelernt, dass Sicherheit bedeutet, niemanden nah genug heranzulassen, um verletzt werden zu können. Seine Mauer ist hart, sichtbar und unnachgiebig.
Patrizia hingegen nutzt die Anpassung. Lange Zeit hielt ich das für Sanftmut, aber eigentlich ist es ihre Form von Sicherheit. Wenn sie perfekt funktioniert, wenn sie die Wünsche ihrer Mutter oder ihres Umfeldes spiegelt, kann sie nicht abgelehnt werden. Es ist eine Mauer aus Erwartungen, die sie wie eine Schutzschild vor ihr wahres Ich hält.
Vom sicheren Ort, der zur Einsamkeit wird
Wie alle bauen Mauern. Nicht aus Bosheit, sondern weil sie uns einmal gerettet haben. Ein abweisendes Wort in der Kindheit, eine Enttäuschung, die wir nie ganz verdaut haben – Stein für Stein oder Lächeln für Lächeln wird der Schutzwall höher.
Das Problem ist: Eine Festung schützt uns zwar vor Verletzungen, aber sie lässt auch niemanden herein, der uns wirklich sehen will. Was damals überlebensnotwendig war, wird im Erwachsenenalter oft zur Falle. Wir merken nicht, dass wir hinter unseren Mauern einsam werden, während wir nach außen hin "sicher" wirken.
Das Risiko, echt zu sein
Beide Strategien – Jamies Rückzug und Patrizias Wunsch, es allen recht zu machen – haben dasselbe Ziel: Verletzungen vermeiden. Doch der Preis ist derselbe: Niemand sieht, wer sie wirklich sind.
In SoCal Love prallen diese zwei Welten aufeinander. Der Moment, in dem sich Patrizia und Jamie das erstemal wirklich begegnen, ist deshalb so riskant. Denn echtes Vertrauen beginnt erst dort, wo Jamie die Distanz aufgibt und Patrizia aufhört, die Erwartungen anderer über ihre eigenen zu stellen. Es ist eine stille, innere Entscheidung. Ein Moment, in dem man wählt: Liebe statt Sicherheit.
Kleine Risse in der Mauer
Verletzlichkeit ist keine Schwäche. Es erfordert enorme Kraft, sich von der Rüstung oder dem Spiegelbild zu befreien. Es ist das Vertrauen darauf, dass du auch dann noch gut bist, wenn du dich zeigst, wie du wirklich bist.
Vielleicht ist das die größte Reise, die meine Figuren – und vielleicht auch wir – antreten: Den Mut zu finden, nicht mehr "mehr" werden zu müssen, um geliebt zu werden. Sondern mutig genug zu sein, einfach da zu sein. Mit allen Rissen.
Und du? Wo schützen deine Mauern dich nicht mehr, sondern halten dich eher gefangen?




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